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Polo is coming home

Oliver Oehring war in China und hat sich für die polowelt in der Poloszene umgesehen.


Polo in Südostasien fand bisher nur in Thailand und vor allem in Singapur statt, doch nun schickt es sich an, in seinem Heimatland China wieder Fuß zu fassen.

Die bisher drei einzigen Clubs in Peking und Xi`an und Suzhou befinden sich im Aufbau, mit zu Teil beeindruckendem Erfolg.

Nach knapp 1,5 Stunden Fahrt von Peking entfernt sieht man in unmittelbarer Nähe des Touristenmagnets „Badaling“, der chinesischen Mauer, schon die Schilder „Graslandschaft“. Im Vergleich zu Deutschland ist die Umgebung relativ trocken, doch hier ist der Boden fruchtbar und so sehen wir schon die ersten Pferde. In den  Bauernsiedlungen werden diese zum Teil noch vor den Pflug gespannt und man vergisst, das man eben noch im modernen Peking war.
Da plötzlich am ende einer langen Allee taucht plötzlich ein schmiedeeisernes Gitter auf und der Aufdruck  auf der Jacke des Wärters verrät uns, hier sind wir richtig beim Sunny Time Polo Club.

Die Auffahrt führt zum Haupthaus – einem gelben Holzensemble im Stil der Australier, welches von einem Tennisplatz und dem Abreiteplatz umrundet wird. Innen fällt der Blick sofort auf den großen Kamin und die dunklen Holzvertäfelungen – wiederum ist das angelsächsische Vorbild unverkennbar.

An den Wänden Bilder mit englischen Jagdszenen und von Neuschwanstein. Wir als Europäer fühlen uns gleich ein wenig an zu Hause erinnert. Herr Xia, der Besitzer der Anlage führt uns über seine Anlage und uns fällt auf, dass alles  recht großzügig und sehr sauber gehalten ist.
Argentinische Pferdepfleger sucht man hier vergebens, denn hier sind ausgezeichnete, wendige mongolische Reiter für die Pferde zuständig.
Polo wurde von den Chinesen erfunden. Es leitet sich von dem tibetanischen PULU ab, was soviel heißt wie „Pferd-Ball“.  Eben dieses bedeutet auch MaQiu im modernen Chinesisch.
Modern ist auch die Ausrüstung der Spieler, wegen des abgebildeten Hengstes hat Herr Xia all seinen Angestellten Ferrari-Jacken besorgen lassen, die je nach Farbe den Status und die Funktion ihres Trägers auf der Anlage erkennen lassen.

So trägt Herr Xia in den Übungschuckern mit dem Autor dieses Berichts die einzige rote Jacke.
Herr Xia ist knapp 40 und für hiesige Verhältnisse von imposant stattlicher Figur.
Seine Pferde sind mehrheitlich aus der eigenen Zucht, in der er die mongolische Rasse mit arabischen Vollblütern gekreuzt hat. Seit 2000 trainiert er auf der Anlage Pferde, zunächst für den Galopprennsport und neuerdings für Polo. Im Galoppsport hat er schon große nationale Rennen gewonnen, doch da eine Internationalisierung der Pferderennen politisch noch nicht gewünscht ist, hat Herr Xia beschlossen, die ruhmreiche Tradition des Polo in seine Heimat zurückzubringen.

 

Als wir mit ihm um das bisher einzige Polofeld Chinas mit internationalen Maßen laufen, erzählt uns Herr Xia von seiner Liebe zu Pferden und von seinen ehrgeizigen Plänen.
Im letzten Jahr fand auf der Anlage das erste internationale Turnier mit 300 Zuschauern statt. Gewonnen hatte das Team des Botschafters von Jordanien. In diesem Jahr wird die englische BBC eine Reportage machen über ihn und seine Anlage, auf der, wäre Polo olympisch geworden, 2008 sich die Creme de la Creme des internationalen Polosportes gemessen hätte.

Aber Herr Xia, der auch Präsident des chinesischen Poloverbandes ist, beabsichtigt zumindest ein kleines Turnier zur selben Zeit.  Bis dahin wird er noch viele Reisen in Sachen Polo unternehmen, vor allem nach Australien, zu dessen Polo-Verband gute Verbindungen bestehen.
Dass in seiner Abwesenheit in seinem Club alles gut läuft, daran zweifeln wir keine Sekunde, denn Herr Xia deutet uns an, dass er droht, jeden Mitarbeiter zu entlassen, der seine Lieblinge nicht adäquat und liebevoll behandelt.

Zuletzt gibt er uns gute Tipps auf den Weg zur weiteren Erkundung Polos in Xian und Suzhou.

Suzhou liegt nahe Shanghai, in welchem Polo früher von den Engländern und Franzosen gespielt wurde, jetzt aber nicht mehr im Bewusstsein der Stadtherren ist. Stattdessen soll in der Millionenstadt Suzhou die weltgrößte Reitanlage entstehen. Polo inklusive. Die Pläne sind bereits genehmigt und 2007 soll der Bau beginnen, so dass die Anlage lange vor der Expo 2010 in Shanghai den Spielbetrieb aufnehmen kann.

Unsere Reise führt uns in eine der ältesten Städte der Welt. Ohne Herrn Xia`s Verbindungen wären wir fast aufgeschmissen, denn die ebenfalls recht neue Anlage in Xian ist schwer zu finden. Einen Internetauftritt gibt es sowieso nicht, denn man verfolgt ein rein historisches, elitäres  Konzept, dort wird mit traditionellen Schlägern auf einem kleineren Feld gespielt  - und vor allem ohne Wegerecht. Neben dem Hot Spring Village „Weishui Garden“ entstand so die größte Reitanlage der alten Hauptstadt mit Longierzirkeln, großen Ställen aus Backstein und einer großen Eröffnungsfeier in historischen Kostümen. Allerdings besteht die Gefahr, dass die Anlage schon bald vom benachbarten finanzkräftigeren Freizeitpark verdrängt wird und für eine Cart-Bahn weichen muß.

In China wird alles modern und es geht schnell.
Dank Herrn Xia und seiner Liebe zu Pferden wird Polo sich jedoch sicher in seiner Heimat fest etablieren und .........vielleicht die Argentinier verdrängen.

 

 


Demnächst folgen an dieser Stelle noch ergänzende Postkarten und Bilder:

Autor Oliver Oehring ist China-Manager (FH) und spielt seit 2 Jahren Polo am Chiemsee.
Besonders herzlichen Dank von der polowelt für diesen ausgesprochen informativen Artikel !!!!!!!