Voll auf der Linie
Ein Portrait über Max Bosch, Deutschlands jüngsten High Goal Spieler

Mit 14 Jahren ist Max Bosch wohl der jüngste turnieraktive Polospieler Deutschlands. In seiner zweiten Polosaison wurde er vom DPV auf -1 gehandicappt (und zum Nachwuchsspieler des Jahres 2005 ernannt) und wer ihn reiten sieht, erlebt stets volles Engagement.
Grund genug, den Werdegang eines sympathischen Youngsters zu beleuchten, der weder Millionärskind noch Spross einer Polo-Familie ist.

Max Bosch kommt zwar aus einer sportlichen Familie, mit dem Reitsport hatte man aber nichts am Hut. Als die Tochter Sabrina im 5 km entfernten Reitverein zu voltigieren und zu reiten beginnt, ist der Vater - als Unfallchirurg kennt er die Verletzungsgefahr - nicht unbedingt begeistert. Durch die ältere Schwester angeregt, beginnt Max 1999, 8-jährig, ebenfalls zu reiten.

Beide Geschwister hätten wunderbare Dressurreiter werden können, hätte ihr Pferd "Campari" nicht Rückenprobleme gehabt. In den Zeiten, in denen das kranke Pferd nur Schritt geritten werden darf, buckelt es dauernd und wirft Max ständig ab. Fast wäre Max der Spass am Reiten vergangen.
Da fragt Elke Ehrhardt, eine Stallfreundin, ob Max nicht ihre Polopferde reiten wolle. Der 11-jährige Max macht sich die Entscheidung nicht leicht, denn er empfindet dies als "Verrat an Campari".
Es folgt ein Winter in der Halle, in dem Max so nebenher mal einen Stick in die Hand gedrückt bekommt, dann kommt die erste Freisaison mit Stick & Ball.
Jeder Polospieler weiss, was dann passiert: das Virus schlägt zu!
Im August 2003 stösst "Madonnina" zur Familie - das erste eigene Polopferd. Ein nach Neuseeland zurückgehender Polospieler gibt die Stute günstig ab. Ihr Kauf war zwar nicht geplant, kommt aber natürlich goldrichtig.

Ebenfalls im August 2003 besucht Max das erste Polojugendcamp in Berlin.


Es dauert nicht lange, bis Wolfgang Kailling, Präsident des Poloclubs in Maspe, Ulli und Sabine Bosch anspricht. Er macht Ihnen klar, dass Max mehr Pferde braucht, wenn man sein Talent weiter fördern möchte, wenn es weitergehen soll.

Beim zweiten Polojugendcamp in Berlin im August 2004 nimmt Max gleich die Möglichkeit wahr, die C-Schiedsrichterprüfung abzulegen, die ihn befähigt, low-goal-Turniere zu schiedsrichtern.

Trotz intensiver Suche hat sich immer noch kein weiteres Pferd für Max gefunden. Ein weiterer Grund, eine grosse Sache anzupacken: Die Eltern Bosch nehmen ihre beiden Kinder für vier Wochen aus der Schule und fahren ins Polo-Eldorado Argentinien.

Ute Ricomini, die für die Familie Bosch unterdessen eine Art "grooming Manager" geworden ist, arrangiert ein intensives und ausgeklügeltes Argentinien-Programm.
Die erste Woche verbringen sie in Buenos Aires beim Palermo Open, dem magischen Ort und tief beeindruckenden Erlebnis für jeden vom Polofieber befallenen. Ute macht die Familie Bosch mit den grössten Namen des Polo bekannt.

Anschliessend ist angesagt: Polo, Polo, Polo und Pferde kaufen.
Zunächst geht es nach Coronel Suarez, dem argentinischen Wohnsitz von Marcello Frayssinet, genannt "Chino". Hier reiten drei Bosch's bis zum Umfallen, Mutter Sabine wollte eigentlich endlich mal zum Lesen kommen - was sie nicht schafft, denn es gibt einfach zu viel zum Anschauen und zum Zuschauen.
Bei Chino findet man Esperanza und Picassita, zwei ideal zu Max passende Pferde und auch ein Polopferd für Max' Schwester Sabrina, die sonst eher zum Dressurreiten tendiert.
Die Prämisse für den Kauf ist allerdings, dass die beiden Geschwister sich ihre Pferde entsprechend den Anforderungen austauschen und aufteilen.

Nach zwei Wochen bei Chino folgt eine letzte Woche in Argentinien bei Tucky (Marcello Caivano) in La Pampa.
Bei den Clubchukkers in La Pampa darf Max (übrigens als Einziger!) mit den Heguys (den Siegern der Palermo Open, dem Team "Chapaleufu") spielen und alle sind sehr stolz, als Eduardo Heguy zu Tucky sagt: "not bad, your young gringo"

Ein weiteres Highlight ist der Besuch beim Grandseigneur des Polo, Dr. Alberto Pedro Heguy. Jedes Jahr bildet er ein einziges Pferd aus - und auf dieses Pferd setzt er Max für einen Clubchukker, der genau auf dem Platz stattfindet, auf dem 8 der 9 Heguys zu 10-goalern geworden sind. Gänsehaut!

Nach Deutschland zurückgekehrt, müssen Max und Sabrina noch lange 3 ½ Monate warten, bis ihre Pferde aus Argentinien ankommen. (Übrigens: Wenn Vater Ulli Stick & Ball machen möchte, greift er auf ein Pferd von Ute zurück....)

Max' erste Turniere 2004 sind nur wenige kleine, nicht DPV-gelistete Turniere.
2005 - und mit den neuen Pferden nun recht gut beritten - ist für Max bisher ein grossartiges Jahr. Bei den Low-Goal-Meisterschaften in Berlin wird sein Team dritter.
Beim 4-Goal-Turnier in Soltau ist er im Siegerteam, er gewinnt mit den "Los Nocheros" in Bad Bentheim, sein Team holt den Eurocup in Maspe (8 goals)
Im August spielt Max im Chiemsee Cup auf Gut Ising - (von 6 Spieltagen fallen leider drei dem Regen zum Opfer) und ist wieder im Siegerteam.

Wohl als jüngster Polospieler im High Goal wird Max im Team von Martin Garrahan den Rolex Cup in München spielen. Von Martin Garrahan gefragt zu werden, das ist Herausforderung und Kompliment zugleich für den jungen Spieler, der erst dies Jahr von -2 auf -1 gesetzt wurde und beim High Goal als Handicap 0 an den Start gehen muss.

Natürlich fragt man sich, wie ein so extremer Senkrechtstart beim Polo klappen kann. Abgesehen vom Talent ist bestimmt der starke Familienzusammenhalt im Hause Bosch ein wichtiger Punkt und so haben wir auch beim Interview versucht, die ganze Familie einzubeziehen.

Die Eltern, beide berufstätig, in ihren Berufen stark engagiert und bestimmt keine Millionäre - achten darauf, dass die Normalität in der Familie erhalten bleibt.
So schmunzelt Mutter Sabine, Polo sei absolut OK, solange die Schule nicht leide und eingeführte Dinge und Aufgaben (z.B. dass Max weiterhin den Rasen mäht) ohne Murren klappen.
Max besucht in Hannover die 9. Klasse des Leibnitz-Gymnasium, ist ein normaler bis guter Schüler mit Noten zwischen 1 und 3. Was er nach dem Abitur machen will, weiss er noch nicht.
Seine Mitschüler und Freunde haben viel Verständnis für den Sport, die Freundschaften überstehen auch die Polosaison, in der oft mehr Telefonate als Treffen möglich sind.

Polo trainiert Max fast jeden Tag. Der Platz ist 20 km von zuhause entfernt, aber Ute, die "grooming Managerin" leistet hervorragende Chauffeurdienste.
Zum Computern kommt er abends, 2 bis 3 x in der Woche spielt er noch Saxophon (Klavier schafft er zeitlich nicht mehr) und Montags gibt es auch noch die Tennisstunden.....

Was es für seine schlechteste Eigenschaft hält? Als er schmunzelnd von "Unordnung" spricht, nickt seine Mutter heftig. Als er seine guten Charaktereigenschaften nennen soll, muss Mutter Sabine einspringen. Sie meint, es seien Grossmütigkeit, Hilfsbereitschaft und Gutmütigkeit.


Uns ist vor allem aufgefallen, dass Max eine freundliche Ruhe ausstrahlt. Er ist sehr aufmerksam, man hat den Eindruck, dass ihm nichts entgeht. Am Poloplatz ist sein Auftreten erfrischend begeistert und trotzdem angenehm bescheiden, seine Erfolge scheinen ihm nicht zu Kopf gestiegen zu sein (was wohl auch seine Familie nicht zulassen würde).

Max fragt oft die grossen Spieler nach Tipps und Ratschlägen, und einer hat ihm besonders gefallen:
- don't shout in the field
- don't believe you are the best
- when you have the ball, hit it

August 2005 - März 2006 / D.Walther