Christopher Kirschs Daseinsform heißt Polo

Ein Mann lebt seinen Traum. Im Gegensatz zu den Milliarden anderen, die ihr Leben lang nur träumen. Christopher Kirschs Traum heißt Polo. Polo will er, Polo macht er und Polo ist er.

Hamburg ist, vor allem, wenn man das nur 32 Kilometer entfernte Gut Aspern mit einbezieht, Deutschlands Polo-Hauptstadt. Der Hamburger Christopher Kirsch veranstaltet und spielt dort Polo. Nicht nur irgendwie, sondern oben. Nun ist er auch der Macher der – für Insider sensationell - erstmals in Deutschland stattfindenden Europameisterschaft, der Rolex Polo European Championship. Gleichzeitig ist er der Spielmacher, die „Nr. 3“, des deutschen Teams.

Kirsch ist mit seinem ganzen Sein hundertprozentig Polo. Weil er es nicht nur liebt und beherrscht, sondern auch zu seinem Beruf, Geschäft und totalen Lebensinhalt gemacht hat. Eigentlich sollte er „Pololski“ heißen.

Fünf Sprachen spricht er, ist Diplom-Volkswirt und bekennt sich auch zu einigen anderen Interessen außer Polo. Zum Beispiel Reisen, Skilaufen und Squash. Aber, wenn Christopher Kirsch reist, dann nur zu Poloanlässen, und wenn er Ski läuft, dann in St. Moritz, weil dort auch Polo gespielt wird. Und wenn er Squash spielt, dann der Fitness wegen und im Hinblick auf seine Wendigkeit. Im Polosattel.

Wenn Kirsch Geschäfte macht, haben sie meistens mit Polo zu tun, und so kommt es bei der EM zu einer im Sport nicht gerade alltäglichen Personalunion: Der Mann, Sportler durch und durch,  ist gleichzeitig der Spielmacher des deutschen Teams und die zentrale Figur auf der Veranstalterseite des Ganzen. Was nicht bedenklich ist, denn er amtiert nicht auch noch als Schiedsrichter.

 

Auf Gut Aspern, der Heimat des Polo Club Schleswig-Holstein, hat er seine eigene Polowelt eingerichtet und baut sie ständig aus. In kultivierter Country-Atmosphäre dreht sich dort alles, aber auch wirklich absolut alles um Pferde und um Polo. Die Anlage hat zwei „fullsize“ Poloplätze, was sie zur Abhaltung von größeren Turnieren prädestiniert. Alle europäischen Polonationalspieler, die auf dem bestens konzipierten und präparierten Gelände von Gut Aspern in der Vergangenheit bereits gespielt haben, lobten die enorme Belastbarkeit des speziell vorbereiteten, perfekt drainierten Bodens. Ohne diese Voraussetzungen wäre es undenkbar, dass die EM 2008 erstmals in Deutschland stattfindet.

Das Gut stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die heute bestehenden Gebäude wurden Ende des 19. Jahrhunderts erbaut. Nach jahrhundertelanger landwirtschaftlicher Nutzung erwarb die Familie Kirsch die Anlage vor wenigen Jahren und „widmete sie um“. Nach umfangreichen Renovierungen und Umbauten verwandelte sich der Gutshof in ein zeitgemäßes Zentrum des Polosports in Europa.

(Foto: copyright Michael Zapf)

Entdecken mußte der heute 40jährige Kirsch das Polo aber nicht selbst. Vater Dietmar, ein Hamburger Kaufmann, tat das, als er im Jahre 1972 erstmals den Stick schwang und seinen Sohn bald dorthin mitnahm. Als Christopher es erstmals probierte, war er sechs. Mit acht unternahm er die ersten Trainingsspiele und als Zwölfjähriger startete er im Hamburger Polo Club, dem ältesten Polo Club auf dem Europäischen Kontinent.

Im Alter von 17 Jahren war es soweit: das erste große Turnier, in Berlin auf dem Maifeld, im Olympiastadion. Er spielte dort im Team der Blues and Royals, einem englischen Traditionsregiment. Gleich in diesem Jahr wurde er von Handicap –2 auf +1 hochgestuft. 1987: Start des persönlichen Trainings durch Julian Hipwood, damals mit +9 der höchstgehandicapte Spieler in Europa, unterbrochen von regelmäßigen Aufenthalten in England, Argentinien, den USA. Deutsche Meisterschaften waren nur eine Frage der Zeit, Titel stellten sich ein. Seit 1997 hat und hält Kirsch junior das Handicap +4. 1999 folgte der dritte Platz bei der Europameisterschaft in Frankreich, 2001 und 2003 ebenso dritte Plätze bei der Qualifikation zur Weltmeisterschaft. 2005 erreichte der Spieler dann den „Grade 1“ der Hurlingham Polo Association: den höchsten Coaching-Standard.

Inzwischen hat der Mann, der seinen Traum Polo lebt, auch ein festes Standbein in Argentinien: ein Gestüt, wo er Nachwuchs an erstklassigen Polopferden züchtet.

Aber das ist im Moment weit weg. Was jetzt für ihn zählt, ist sein bisheriger Lebenshöhepunkt: die EM in seinem reich und mit ihm als der deutschen „Nr. 3“.

(Fotos: 1 x copyright Michael Zapf, 2 x copyright D. Walther)
Text/Quelle: per email erhalten von Peter Brauer, Polo 2008